Kennen Sie Argus?

Die Kleinbildfotografie wird bei uns seit je her mit der Firma Leica assoziiert. Was technisch gesehen stimmen mag. Dieser Apparat hat damals die Fotowelt umgekrempelt. Man musste nicht mehr mit einem riesigen Kasten aus dem Haus um zu fotografieren. Der Nachteil lag aber am Preis. Die Kamera war für den Normalbürger unbezahlbar. Nur Wohlhabende Fotografen konnten sich die Apparate von Oskar Barnack leisten. Was aus den Kameras ein Exot macht, ein Nieschenprodukt wenn man es genau nimmt. Wie hätte sich also dieses Format durchsetzen sollen wenn sich nicht viele Menschen eine Leica leisten können? Vor allem wenn das Mittelformat viel mehr hergibt und die Kameras nur einen Bruchteil dessen kosten was man für eine Leica hinlegt. Vielleicht waren es gar nicht Leica, Kodak und Co. die die Kleinbildfotografie so populär gemacht haben.

Charles Verschoor, Präsident der IRC (International Radio Corporation) suchte während der Großen Depression (1929-1939) nach einem Weg seine Firma und seine Angestellten auch in der Nebensaison sicher zu beschäftigen. Er machte sich auf einer Europareise mit der Leica vertraut und gründete 1936 die Firma Argus in Ann Arbor, Michigan in der Gewissheit einen günstigen Fotoapparat für den Massenmarkt herstellen zu können. Die erste Kamera, die Argus A, war natürlich weder von der Technik noch von der Ausstattung mit der Leica oder der damals auch verfügbaren Kodak Retina vergleichbar, dennoch war sie ein voller Erfolg. Denn im Gegensatz zur Retina oder Leica war die Argus A im unteren Preissegment angesiedelt und somit für die breite Masse erschwinglich. Charles Verschoor machte die Kleinbildfotografie quasi über Nacht für jedermann verfügbar und das die Welt darauf gewartet hat zeigt sich an den Verkaufszahlen. In der ersten Woche gingen 30.000 Kameras über den Ladentisch bis 1941 verkaufte sich das Modell 200.000 mal (Leica hatte bis 1932 nach eigenen Angaben 90.000 Kameras verkauft). Die Argus C3 „The Brick“ die von 1939 bis 1966 produziert wurde, verkaufte sich über 3.000.000 mal (Leica hat alle Modelle zusammengenommen bis 1961 ca. 1.000.000 Kameras verkauft). Sie war über drei Jahrzehnte die am meisten verkaufte Kamera der Welt.

Argus A

Argus A

Charles Verschoor baute nicht nur die erste Kleinbildkamera in den USA, er etablierte auf dem größten Markt der Welt mit seinen enormen Verkaufszahlen die 1934 von Kodak eingeführte 35mm Filmpatrone. Argus war zur damaligen Zeit so bekannt wie die japanischen Kamerahersteller es jetzt sind und genau diese haben den Niedergang der Firma Argus eingeläutet. Die japanische Konkurrenz baute bessere und günstigere Kameras. Da konnte Argus nicht mehr mithalten. Das Resultat war das Argus über die Jahre hinweg mehrmals den Besitzer und den Standort wechselte und nun nur noch unbedeutende Digitalkameras herstellt. Die einzigen Überbleibsel aus der glorreichen Zeit sind ein kleines Museum in Ann Arbour und Millionen von funktionstüchtigen Fotoapparaten.

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