Was bleibt

Buddelt man lange genug im Sand stößt man irgendwann auf Zeichen früherer Zivilisationen. Ob Knochenreste, Tonscherben oder Holzsplitter, alles scheint Auskunft darüber zu geben wie das damals gewesen sein muss. Was es für Speisen gab, wie man sich kleidete und womit man sich die Zeit vertrieben hat. Die ältesten Kunstwerke der Menschheit wie kleine geschnitzte Elfenbeinfiguren aus Ulm und Höhlenmalereien aus der Grotte Chauvet werden auf 35.000 bis 30.000 v.Chr. datiert und geben uns einen Einblick in die damalige Kultur in der Region. In das was die Menschen bewegte und wichtig genug gewesen ist es herzustellen.
Was wird man über unsere Kultur, unser Zeitalter denken? Ich rede davon was zukünftige Archäologen, ob nun von unserer Welt oder von einer anderen, aus dem Boden zutage fördern werden. Komische Kästen in allerlei Größen und Formen mit merkwürdigen Knöpfen dran? Mit Sicherheit wird man irgendwann darauf kommen das diese Käste dazu dienten Information in welcher Form auch immer weiterzugeben. Ob man diese Informationen allerdings auslesen wird können, glaube ich kaum.

Das erste Medium auf dem die Informationen eines Computer gespeichert worden sind waren Tonbänder. Im Homecomputer Bereich die Datasette. Danach folgte die 5,25″ Floppy Disk die ein schnelles Ende der Datasette bewirkte, meistens auch der Daten die sich darauf befanden. Als die 3,5″ Diskette, die kleiner und stabiler war das Licht der Welt erblickte, war das Ende der 5,25″ Floppy Disk besiegelt. Auch hier erfolgte selten eine Kopie der Daten von einem Medium zum anderen. Auf die CD-ROM folgt die DVD und diese wurde, wenn auch noch vorhanden, vom USB-Stick abgelöst. Schließlich passen auf einem USB-Stick mehr Informationen als auf einer DVD, ganz zu schweigen von der bedeutend geringeren Größe des Mediums. Aber, auch der USB-Stick wird irgendwann verschwinden. Das ist der Lauf der Dinge. Apple baut bereits Geräte ohne optisches Laufwerk und hat die iCloud praktikabel umgesetzt. Auch andere Cloud-Dienste wie Evernote usw. ermöglichen den weltweiten drahtlosen Zugriff auf die eigenen Daten. Wer wird da in Zukunft noch mit einem USB-Stick herumlaufen?
Das Computer weiterentwickelt werden ist eine Sache. Das Computersprachen und Dateiformaten wechseln eine andere. Wer nutzt noch Basic oder MS-DOS? Eventuell Nostalgiker und Menschen in meinem Alter die die Computer Revolution seit den 70er Jahren live miterleben und noch einen alten Kasten zu Hause stehen haben. Werden die zukünftigen Archäologen überhaupt etwas verstehen wenn sie es denn auslesen können? Selbst wir brauchen Emulatoren um an die Daten zu kommen. Alles was geschrieben, fotografiert und gefilmt wurde, alle Erinnerungen und Gedanken sind weg.

– Kann Datei nicht öffnen –  – Sie brauchen xy 1.0 um das Programm zu öffnen- – Daten nicht gefunden – – Dateiformat unbekannt –

Nichts lässt Rückschlüsse auf uns zu, außer das wir offensichtlich Spaß dabei hatten Kästen in allerlei Formen und Größen zu bauen.

Das Problem in unserem digitalen Zeitalter ist, das man die Vergangenheit mit Füßen tritt. Nur das neue ist gut. Wer braucht schon den alten Kram. Weg damit. Bevor man mich jetzt als Fortschrittsgegner beschimpft, möchte ich darauf hinweisen das ich die Zukunft begrüße und mich darauf freue zu sehen auf was für Ideen man jetzt gekommen ist um unser Leben interessanter oder einfacher zu machen. Wenn man mir unbedingt etwas vorwerfen möchte oder kann, dann nur das ich nicht Fortschrittsblind bin.

Das einzige, und das zeigt uns die Gegenwart, das einzige das uns einen Blick in die Vergangenheit ermöglicht, ist das durch Menschenhand geschaffene. Ob es nun Schnitzereien, Malereien oder das geschriebene Wort sind. Alles was nicht digital sondern analog kreiert wird, überdauert die Zeiten. So auch analoger Film. Während all die Bilddaten die sich auf Speicherkarten und Festplatten befinden zu wertlosen Datenfragmenten werden, kann man immer von einem Negativ einen Abzug machen. Oder es mit der aktuellen Technik scannen. Es muss einen Grund geben warum zum Beispiel die großen Filmstudios ihre digital aufgezeichneten Spielfilme auf analogen Film wie zum Beispiel den KODAK VISION 3 Color Digital Intermediate Film 2254/5254 archivieren oder Kunstwerke und Dokumente die in Museen und Archiven Lagern ebenso auf Film archiviert werden und nicht auf irgend einer Festplatte. Ich sehe keinen Grund warum man als Privatmann nicht den selben Weg gehen kann oder soll. Dienstleister die digitale Bilder auf Film archivieren gibt es genug.

Der analoge Film, der von den Medien, Digitalkamera- und Software- Herstellern gerne für Tot erklärt wird, ist letztendlich das fortschrittlichste und sicherste Medium unserer Zeit um Zeugnis über uns und unsere Art zu leben zu geben.

Kodak VISION 3

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