´Ne Hasselblad beim Rennsport?

Hasselblad 1

Zugegeben, eine Hasselblad gehört zu den letzten Kameras die man im Rennsport erwartet. In einem Meer von Canon und Nikon Spiegelreflexkameras mit riesigen Teleobjektiven ist eine Mittelformatkamera wie die Hasselblad H5D definitiv ein Exot.

Wie kommt man dann auf die Idee eine typische Studio Kamera mit auf die Rennstrecke zu nehmen? Sie besitzt keine unendliche Zahl an Fokuspunkten, keinen schnell nachführenden (Sport) Autofokus, hat eine maximale Verschlusszeit von 1/800 Sekunde und wenn man auslöst, spürt man wie der riesige Spiegel nach oben klappt.

Aber – und das ist das wichtigste Kriterium – sie macht Fotos.

Ohne Firlefanz
In einer Zeit in der der Fotograf voraussetzt das die Kameras immer schneller, besser und umfangreicher werden und die Hersteller diese Erwartung mit allerlei aufblitzenden farbigen Punkten und Piep-Geräuschen befriedigen, ist eine Hasselblad so schön schlicht. Sie macht keine Videos, hat keine Panoramafunktion, besitzt weder Farb- noch Filmsimulationen oder anderen Schnickschnack.
Sie konzentriert sich einzig und allein auf das was sie am besten kann. Bilder machen. Und dabei unterstützt sie den Fotografen meisterlich. Das Menü ist einfach in der Hierarchie und lässt über das kleine Grün/Schwarze Display im Handgriff schnell  Änderungen in den Einstellung durchführen. Die Knöpfe sind weder zu groß noch zu klein und am wichtigsten – logisch angelegt und lassen sich jederzeit mit anderen Funktionen umprogrammieren. Hier kann sich mancher (Kamera-) Hersteller eine Scheibe abschneiden.
Das große Sucherbild ist eine wahre Freude – hell und klar wie es sonst nur Fujifilm hinbekommt. Sie produziert riesige Bilddateien die nicht nur viel Luft für die Bildbearbeitung bereitstellen, sondern ebenfalls einen Detailreichtum aufweisen den man bei „Vollformat“ Kameras vermisst. Das schönste aber, das was mir an der Hasselblad am besten gefällt, ist der weiche Focus. Das schmeichelt nicht nur der Haut bei Portraits auch andere Bereiche oder Themen in der Fotografie profitieren davon.

Hockenheimring Fahrerportrait 2Hockenheimring Beschleunigung

Hasselblad ist anders
Das arbeiten mit einer Hasselblad ist anders als mit anderen DSLRs. Sie fordert eine andere Vorgehensweise von einem. Sie nimmt die Hasst und Eile aus dem Vorgang des Bilder machen. Nichtsdestotrotz bedeutet das jetzt nicht das man die Füße hoch legt und sich ewig Zeit lässt. Es ist eher anders. Man konzentriert sich stärker auf das Motiv, isoliert es aus der Umgebung. Gleichzeitig schenkt man Aufgrund des großen Bildformats und Sucherfensters dem Hintergrund mehr Aufmerksamkeit und behält ihn im Blick um ihn gestalterisch besser einzubinden. Wenn man schließlich denkt den richtigen Augenblick zu haben, löst man aus.
Das mitziehen mit der Kamera ist am Anfang aufgrund der anderen Gewichtsverteilung etwas gewöhnungsbedürftig. Nach den ersten paar Fehlversuchen hat man den Dreh aber raus und kann sich voll und ganz dem fotografieren widmen. Auch das einstellen von Blende, Zeit und ISO geht schnell und leicht von der Hand. Man merkt sofort das es sich hier um eine Kamera von einem traditionellen Hersteller, mit analogen Wurzeln handelt, die sich auf ihre Kernfunktion – das Bilder machen – konzentriert.

Nix für Anfänger?
Weit gefehlt. Die Hasselblad hat den Ruf eine professionelle Kamera zu sein die viel zu kompliziert für den Anfänger oder Amateur ist. Sie hat ja schließlich auch kein Wählrad für Motivprogramme oder ähnliches. Aber was ist die Fotografie anderes als die Kombination aus Blende, Zeit und ISO. Wer braucht irgendein Schnickschnack oder Firlefanz in der Kamera wenn es hauptsächlich darum geht Bilder zu machen? Auf die klassische Art! Nur der Fotograf mit seiner Kamera und das Motiv. Kein Wifi, kein Blink Blink, kein Tut oder Piep. Ich muss in meinem Berufsalltag mit vielen verschiedenen Kameras und Kamerasystemen umgehen, die Hasselblad gehört zu den einfachsten und effektivsten.

Hasselblad 2
http://htv.hasselblad.com/video/rennsportfotografie-am-hockenheimring

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