Von der Kavallerie errettet

PrintJeder Kodak Fotograf – mich eingeschlossen – kann seit dem 3. September wieder ruhig schlafen. Wir können weiterhin mit unseren Lieblingsemulsionen das Zeitgeschehen dokumentieren und große oder kleine Kunstwerke schaffen. Durch die Übernahme der Kodak Filmsparte durch den UK Kodak Pension Plan (KPP) wurde ein bedeutender Teil der Fotogeschichte und damit das Vermächtnis von George Eastman, der wie kein anderer die Art wie wir heute fotografieren geprägt hat, errettet.

Auch wenn der britische Pensionsfond den Namen Kodak trägt, so ist er doch von der Eastman Kodak Company unabhängig. Die KPP Trustees Ltd. mit ca. 15.000 Mitglieder und einem Vermögen von über einer Milliarde britischer Pfund hat eine Lizenz für die Nutzung der Marke KODAK erworben. Jetzt umfasst das neu gegründete Unternehmen „Kodak alaris“  4.700 Mitarbeitern weltweit und erwartet einen Umsatz von mehr als $ 1,3 Mrd. Erzielt werden soll es unter anderem durch täglich rund 500.000 Kunden an 110.000 Kodak Picture Druckstationen.

Ein frischer Start
ist das was Kodak´s Filmsparte gebraucht und jetzt auch bekommen hat. Als eines der wenigen profitablen Unternehmenszweige der Eastman Kodak Company die nicht nur unter der Führung von Antonio Perez zur Melkkuh für Forschung und teuren Produkteinführungen (am Markt vorbei) herhalten musste, kann sie nun einer rosigen Zukunft entgegensehen.
Schuldenfrei und ohne Verpflichtungen gegenüber Gläubigern steht der neue Eigentümer der Filmsparte besser wie andere Start-Up Unternehmen da. Kodak alaris hat nicht nur zwei lukrative Sparten inklusive Personal übernommen, sondern ebenfalls den kompletten Kundenstamm. Somit brauchen sie auch keine lange Anlaufzeiten sondern können wie bisher einfach ihre Arbeit machen.

Dank der neuen Eigentümer herrscht eine mehr langfristige und damit ruhigere Planung. Treuhandfonds denken weniger in Jahren als in Dekaden. Ihnen ist anders als Aktionären bewusst das ein Unternehmen Kapital und vor allem Zeit benötigt um das bewährte zu sichern und das neue zu entwickeln. So und nur so, ist ein kontinuierliches und vor allem gesundes Wachstum auch in der Zukunft möglich. Das andere Denken hat Eastman Kodak in die Insolvenz geführt.
Des weiteren stehen jetzt wieder Menschen an der Spitze die das Geschäft und das Vermächtnis Kodak´s verstehen und nicht versuchen die Firma in etwas anderes zu wandeln. Dennoch wird Kodak alaris sicherlich schnell auf Trends und neue Marktchancen im Bereich der Fotografie allgemein reagieren – so hoffe ich dies zumindest.

Zuwächse an Filmsorten wird es nicht geben und wenn die Nachfrage gleich bleibt, geht auch nichts an Emulsionen verloren. Der Abwärtstrend der Verkaufszahlen im Bereich Analoger Film verlangsamt sich und wird sich laut einer Prognose des Photoindustrie-Verbandes in 2-3 Jahren in der Menge eingependelt haben. Das sind gute Zeichen dafür das es Film immer geben wird. Allerdings ändert sich der Markt zunehmend. Die Nachfrage für Consumer Film geht durch die digitale Fotografie immer weiter zurück. Der Markt für Profifilm hingegen bleibt stabil und erzielt sogar je nach Emulsion leichte Zuwächse. Somit können wir davon ausgehen das es den Kodak Gold irgendwann nicht mehr geben wird, die Profifilme hingegen schon.

Das sind unterm Strich sehr gute Neuigkeiten. Es wird allerdings noch etwas Zeit brauchen bis sich die neuen Strukturen und Hierarchien in der Firma festigen und das Tagesgeschäft wieder reibungslos laufen wird. Denn wie sonst auch üblich, werden und wurden Positionen neu vergeben.
Geben wir der neuen Kodak also etwas Zeit ihre Alaris (lat. zu den Flügeltruppen gehörig / Hilfskavallerie) neu zu formieren.

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